Ruhekompetenz – Warum Entspannung keine Übung, sondern Beziehungsarbeit ist

Ruhekompetenz - Der Welpenkompass von Nadine Liebert

WilhelMINE – mein Broholmermädchen – ist inzwischen ein halbes Jahr alt. Und sie beginnt ganz zart, in diese oft etwas verrufene „wilde Phase“ hineinzuwachsen – eine Entwicklungszeit, die viele als anstrengend erleben und die doch so viel Potenzial für gemeinsames Lernen in sich trägt. 💛

Mir ist wichtig, dass sie Ruhe wirklich versteht – und sie findet, wo auch immer sie gerade ist: auf ihrem Platz, auf der Decke, bei mir, in Gesellschaft oder ganz allein. Mal mit etwas zu kauen, mal ohne. Mal mit meiner Unterstützung – mal ganz aus eigener Kraft.

Denn Ruhe ist nichts, was man „trainiert“. Sie ist eine Fähigkeit, die sich in Beziehung entwickelt – Schritt für Schritt, im Alltag, in Resonanz miteinander.

Hund schläft in Box | Ruhekompetenz - Der Welpenkompass von Nadine Liebert

Ruhe ist kein Kommando – sie ist Beziehungskompetenz

Wenn Hunde Ruhe finden, geht es nicht darum, dass sie „funktionieren“, sondern darum, dass sie Sicherheit erleben.
Ruhe entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen. Sie ist das Ergebnis eines Nervensystems, das sich regulieren darf – im Kontakt, nicht im Rückzug.

Echte Ruhekompetenz heißt:

Ein Hund kann sich selbst regulieren, weil er erlebt hat, dass sein Mensch ihn versteht, begleitet und Halt gibt. Das ist keine Technik, sondern Beziehungskompetenz.

Ruhe ist also kein Zustand, den man „antrainiert“. Sie wächst, wenn Mensch und Hund sich gegenseitig wahrnehmen, Spannungen regulieren und gemeinsam lernen, zur Balance zurückzufinden.

Pubertät – wenn Beziehung trägt

Mit Beginn der Pubertät zeigt sich, wie tragfähig dieses Fundament wirklich ist. Wenn Hormone, Emotionen und Umweltreize gleichzeitig anklopfen, braucht es keinen Druck, sondern Orientierung. Jemanden, der präsent bleibt, auch wenn’s stürmisch wird. Einen Menschen, der Ruhe ausstrahlt – nicht, weil er alles im Griff hat, sondern weil er in Verbindung bleibt.

Gerade diese Phase ist so viel mehr als „anstrengend“. Sie ist eine Einladung, gemeinsam zu wachsen. Eine Zeit, in der Beziehung Tiefe gewinnt – wenn wir sie nicht als Problemphase, sondern als Entwicklungszeit begreifen.

Ruhe will wachsen – nicht erzwungen werden

Egal, wie alt dein Hund ist – ob ein halbes Jahr oder viele Jahre an deiner Seite – ihr könnt immer lernen, gemeinsam Ruhe zu finden.

Zu wissen, wie man Erregung, Anspannung oder Stress begleitet und wie man als Vertrauensmensch Sicherheit vermittelt, ist eine der wichtigsten Grundlagen für ein entspanntes, vertrauensvolles Miteinander.

Wenn du bemerkst, dass dein Hund nur mit Kauknochen, in deiner Nähe oder ausschließlich in seiner Box wirklich abschalten kann, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht, um zu bewerten, sondern um zu verstehen, was er braucht, um sich zu regulieren. Und um zu lernen, wie du ihn in diesen Momenten feinfühlig begleiten kannst.

Hier kann es hilfreich sein, sich Unterstützung an die Seite zu holen – nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil Ruhe eine gemeinsame Lernreise ist. 💫

Gefühle begleiten – statt Verhalten korrigieren

Gerade als Verhaltensberaterin für Hunde – und auch als Mutter – weiß ich, wie wichtig es ist, Gefühle zu begleiten und bei der Regulation zu unterstützen. Denn wer lernt, Emotionen zu verstehen und sie nicht zu unterdrücken, schafft die Grundlage für echte Entwicklung – bei Mensch und Hund.

Es ist unglaublich wertvoll, sich professionelle Unterstützung zu holen, wenn man merkt, dass der Alltag aus dem Gleichgewicht gerät. Nicht im Sinne von „klassischem Hundetraining“, das oft nur auf Verhalten zielt, sondern als Begleitung, die die Beziehung zwischen Mensch und Hund in den Mittelpunkt stellt. Dort, wo Vertrauen wächst, wird Ruhe möglich.

Co-Regulation – die Kraft unserer Präsenz

Hunde sind Meister darin, unsere Stimmung zu lesen. Sie spüren Spannung, Unsicherheit oder Ruhe oft noch bevor wir sie selbst wahrnehmen. Unsere innere Haltung wirkt wie ein Resonanzraum – sie überträgt sich, formt, beruhigt.

Das nennt man Co-Regulation:

Zwei Nervensysteme, die miteinander schwingen und sich gegenseitig stabilisieren. Wer als Mensch gelernt hat, die eigene Anspannung zu erkennen und zu regulieren, kann seinem Hund helfen, denselben Weg zu gehen. Nicht, indem man ihn „beruhigt“, sondern indem man selbst ruhig bleibt.

Beobachten statt bewerten

Wenn du dich bislang noch nicht intensiv mit dem Thema Ruhe beschäftigt hast, beginne mit Achtsamkeit.
Beobachte deinen Hund im Alltag – ohne Eingreifen, ohne Erwartung:

  • Wo findet er Ruhe?
  • Wann sucht er deine Nähe – und wann meidet er sie?
  • Welche Orte, Zeiten oder Rituale fördern Entspannung?
  • Wann fällt es ihm schwer, loszulassen?

Diese Beobachtungen sind Gold wert. Sie zeigen dir, was dein Hund braucht – und wie du ihn durch kleine Veränderungen im Alltag unterstützen kannst.

Ruhe entsteht nicht in Stille, sondern in Sicherheit. Sie wächst, wenn wir lernen, Spannungen wahrzunehmen und sie gemeinsam zu regulieren.

Ruhe als Spiegel der Beziehung

Ruhe ist keine Pause vom Lernen, sondern Teil davon. Sie zeigt, wie sicher, verbunden und verstanden sich ein Hund fühlt. Wer lernt, Ruhe nicht als „Auszeit“, sondern als Beziehungsqualität zu sehen, verändert den Blick auf das Miteinander – und auf sich selbst.

Echte Ruhekompetenz ist kein Trainingsziel, sondern eine Haltung: eine bewusste, zugewandte Art, gemeinsam durchs Leben zu gehen – klar, empathisch, verbunden.

Fazit

Ruhe verbindet

Ruhe ist kein Zufallsprodukt.

Sie entsteht, wenn wir Verantwortung übernehmen – nicht nur für Verhalten, sondern für Atmosphäre. Wenn Mensch und Hund lernen, mit Erregung, Stress und Unsicherheit umzugehen, entsteht das, was Beziehung wirklich trägt: Vertrauen, Resilienz und Verbundenheit.

Denn Ruhe ist kein Zustand, den man erzwingt. Sie ist etwas, das man gemeinsam lernt.

Hinweis

Der Welpenkompass – Gut begleitet durch die Welpenzeit unterstützt dich bei jedem dieser Schritte – mit Erfahrung, praxisnahen Tipps und wertvollen Hinweisen aus 20 Jahren Verhaltensberatung. Erhältlich über nadineliebert.de, in Magdeburg bei der Fachtierarztpraxis Lippert und im Buchladen Janaschs, im P3-Store Niederndodeleben sowie im Versand nach Österreich und in die Schweiz.

Dein WELPENKOMPASS

Neugierig? Hier kannst du dein Buch „Der WELPENKOMPASS“ bestellen.

Ich benutze die Online-Verkaufsplattform „CopeCart“ für deine Bestellung.