Gemeinsam Ruhe finden – welches Vorbild bist du?

Gemeinsam Ruhe finden - Der Welpenkompass von Nadine Liebert

Ruhe entsteht nicht im Alleingang. Sie wächst in Beziehung.
Und genau deshalb lohnt es sich, ehrlich hinzuschauen:


Welches Vorbild bist du für deinen Hund, wenn es um Ruhe geht?

Gemeinsam Ruhe finden - Der Welpenkompass von Nadine Liebert

Hunde lernen durch Nachahmung

Hunde lernen nicht nur über Belohnung oder Wiederholung – sie lernen durch Beobachtung. Von Artgenossen, von Menschen, von ihrem Umfeld. Und ja – sie lernen auch von uns. Von unserer Stimmung, unserer Körpersprache, unserem Umgang mit Stress. Von unserem Tempo, unserer Atmung, unserer Fähigkeit, innezuhalten. Ob das, was sie übernehmen, hilfreich oder ausbaufähig ist, spielt erst einmal keine Rolle.
Wichtig ist: Der Hund hat nur uns.
Wir sind sein sicherer Hafen, sein Resonanzraum, sein Orientierungspunkt. Und das bedeutet: Er spiegelt, was er erlebt. Wenn wir Ruhe leben, kann er sie fühlen. Wenn wir Anspannung mittragen, wird sie Teil seines Alltags.

Verantwortung übernehmen – wie bei einem Kind

Wenn wir einen Welpen vom Züchter übernehmen, übernehmen wir damit nicht nur die Verantwortung für Futter, Pflege und Spaziergänge. Wir übernehmen ein Hundekind – und mit ihm die Verantwortung für Wohlgefühl, Sicherheit und Regulation. Ab diesem Moment sind wir diejenigen, die Stabilität vermitteln. Wir werden – sinngemäß – zu seiner mütterlichen Bezugsperson. Und dieser „Job“ ist kein kleiner. Er bedeutet, das Hundekind beim Lernen, Wachsen und beim Regulieren zu begleiten.

Was bedeutet „Regulierung des Nervensystems“ beim Hund?

Angelehnt an Psychologie und Pädagogik lässt sich sagen: Regulierung bedeutet, innere Spannungszustände wahrzunehmen und wieder in ein stabiles Gleichgewicht zu bringen. Das Nervensystem eines Welpen funktioniert – wie beim menschlichen Kind – noch unreif und sehr reaktiv. Reize, Frust, Freude oder Trennung können schnell zu Übererregung führen. Der junge Hund kann diese Zustände noch nicht selbstständig ausgleichen. Er braucht Co-Regulation – also die Hilfe einer sicheren Bezugsperson, die durch Nähe, Stimme, Berührung, Atem und Haltung signalisiert: „Alles ist gut. Du bist sicher.“

Diese gemeinsame Regulation stabilisiert das Nervensystem des Hundes und legt die Basis für spätere Selbstregulation – also die Fähigkeit, sich irgendwann allein zu beruhigen.

Und was, wenn wir selbst unsicher sind?

Hier wird es spannend – und ehrlich. Denn auch wir Menschen sind Teil dieses Systems. Wenn wir verunsichert sind, uns Sorgen machen oder gestresst sind, kann sich diese Spannung auf unseren Hund übertragen.
Stress verengt unsere Wahrnehmung, lässt uns schneller reagieren, ungeduldiger werden, weniger fein spüren. Sorgen, Überforderung oder das Gefühl, „alles richtig machen zu müssen“, führen oft dazu, dass wir selbst die Ruhe verlieren, die unser Hund so dringend braucht. Das ist menschlich. Und gleichzeitig genau der Punkt, an dem sich Entwicklung lohnt.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Bewusstheit, wenn man merkt: Ich möchte mein eigenes Stressmanagement verbessern – für mich und für meinen Hund.

Gerade in der Welpenzeit ist das eine der wertvollsten Investitionen überhaupt: in die eigene Gelassenheit, in Selbstvertrauen, in Präsenz. Denn was wir ausstrahlen, ist das, was unser Hund spürt. Wir sind sein emotionales Referenzsystem. Unsere Regulation ist sein Lernfeld.

Nervensystem statt Kommandos

Wenn wir über Ruhe sprechen, sprechen wir eigentlich über Selbstregulation. Das autonome Nervensystem steuert, ob Körper und Geist im Alarm- oder im Entspannungsmodus sind. Hunde – wie Menschen – können diesen Zustand nicht einfach umschalten. Kein Befehl der Welt bringt das Nervensystem in Entspannung. Was hilft, ist Co-Regulation: das beruhigende Zusammenspiel zweier Nervensysteme, in dem der Mensch durch Ruhe, Atem, Körperhaltung und Energie signalisiert: „Du bist sicher. Ich bin da. Du kannst loslassen.“ Diese Haltung ist es, die Sicherheit entstehen lässt – nicht das Kommando, nicht der Platz, nicht die Decke.

Co-Regulation als Vorbild

Co-Regulation heißt nicht, perfekt zu sein. Sie heißt: präsent sein, wahrnehmen, mitatmen, begleiten.
Wenn der Welpe aufgeregt ist, lernen wir, ruhig zu bleiben.
Wenn er sich ängstigt, lernen wir, Vertrauen zu vermitteln.
Wenn er überdreht, lernen wir, Energie herauszunehmen, statt noch mehr hineinzubringen.
So entsteht Beziehung auf der Ebene des Nervensystems – nicht durch Kontrolle, sondern durch Resonanz.

Fazit

Ruhe ist Beziehungsarbeit.
Und sie beginnt bei uns. Unsere Ruhe ist sein Lernfeld. Unser Atem wird sein Takt. Unsere Haltung wird sein Halt. Wenn wir uns dieser Verantwortung bewusst werden, kann der Hund lernen, sich in uns – und mit uns – sicher zu fühlen. Und genau dort beginnt sie: die Fähigkeit, wirklich Ruhe zu finden. 💛

Lies in meiner Blogreihe weiter:

Ruhe finden ist kein Stillsitzen auf Kommando
Ruhekompetenz – Warum Entspannung keine Übung, sondern Beziehungsarbeit ist

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Der Welpenkompass – Gut begleitet durch die Welpenzeit

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